Gläubiges Wissen

In Bayern darf die Kirche mitentscheiden, wer Unidozent wird. NEON, Mai 2009

Wer in Bayern Professor werden will, sollte nicht nur klug sein, sondern auch treu glauben – und zwar an die katholische Kirche. Die darf selbst in Fächern wie Soziologie, Pädagogik oder Philosophie mitentscheiden, wer einen Posten als Hochschullehrer bekommt. Ein Vertrag aus dem Jahr 1924 gesteht den bayerischen Bischöfen bei insgesamt 21 Professuren ein Einspruchsrecht zu, falls die Bewerber »hinsichtlich ihres katholisch-kirchlichen Standpunktes« bedenklich erscheinen. Vereinzelt soll ein Bischof sein Veto gegen evangelische Bewerber eingelegt haben. Und ein evangelischer Kandidat habe zusichern müssen, seine Kinder katholisch zu erziehen. Vielleicht wird im vorauseilenden Gehorsam ein kirchenkritischer Wissenschaftler auch gar nicht erst berufen. Die Landesregierung hält die Praxis für einen Ausdruck »des partnerschaftlichen Zusammenwirkens von Staat und Kirche«. Tatsächlich wirken ja auch Religion und Wissenschaft oft partnerschaftlich zusammen: 1992 hat der Vatikan eingeräumt, sich im Streit mit Galileo Galilei geirrt zu haben. Der hatte knapp 370 Jahre vorher seine Erkenntnis widerrufen müssen, wonach sich die Erde um die Sonne dreht.

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