Falsches Lob

Marokkos König verbietet eine für ihn vorteilhafte Meinungsumfrage. NEON, Oktober 2009

Dass sich Politiker nicht von Meinungsumfragen beeinflussen lassen sollen, fordern Leitartikler in Deutschland immer wieder. Mohammed VI., König von Marokko, hat diesen Wunsch etwas zu wörtlich genommen. Eine repräsentative Umfrage zum zehnjährigen Thronjubiläum ergab, dass 91 Prozent der Marokkaner zufrieden mit der Arbeit ihres Königs sind, vierzig Prozent sind sogar sehr zufrieden. Das sind Werte, von denen demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs wie Angela Merkel, Nicolas Sarkozy oder Barack Obama nur träumen können. Doch Marokkos Monarch verbat die Veröffentlichung der Zahlen. Polizisten beschlagnahmten noch in der Druckerei das Magazin, das die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Als kurz darauf die französische Tageszeitung »Le Monde« über die Ergebnisse berichtete, durfte die Zeitung in Marokko nicht verteilt werden. Der Grund für die Zensur war nicht, dass Mohammed VI. wütend darüber war, dass neun Prozent seiner Untertanen ihn geringschätzen. Über die Monarchie, erklärte der Innenminister, werde vielmehr gar nicht diskutiert, auch nicht in Form von Umfragen. Auch nicht, wenn diese noch so positiv sein sollten.

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