Kreative Kündigung

In Seminaren lernen Personalchefs, wie sie Mitarbeiter feuern. NEON, Mai 2010

22 Jahre hatte die schwerbehinderte Putzfrau in einem norddeutschen Toom-Baumarkt gearbeitet. Dann wurde ihr gekündigt, weil sie bei der Arbeit gefundene Pfandflaschen selbst eingelöst hatte. Eine süddeutsche Altenpflegerin erhielt ein Entlassungsschreiben, weil sie sechs Maultaschen klaute. Eine Dortmunder Sekretärin, weil sie eines der Brötchen aß, die sie ihrem Chef schmierte. Damit Vorgesetzte auch in Zukunft kreativ kündigen können, bekommen sie Unterstützung von Arbeitsrechtlern und Personalberatern. Die bieten Seminare an mit Titeln wie »So beenden Sie jedes Arbeitsverhältnis«. Schwangere Frauen, ältere Arbeitnehmer oder Schwerbehinderte: Mitarbeiter, die besonderen Kündigungsschutz genießen, werden ausführlich besprochen. Ein Frankfurter Anwalt erörtert in einem Workshop Methoden der »Informationsbeschaffung « – vom Privatdetektiv bis zur Videoüberwachung. »Sehen Sie es mal so«, sagt der Münchner Fachanwalt Helmut Krause, der selbst Kündigungsseminare anbietet: »Wenn Sie als Patient die Wahl hätten zwischen einem Krankenhaus mit exzellenten Mitarbeitern und einem mit einer sozial ausgewogenen Belegschaft, zu welchem würden Sie gehen?«

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