Plakative Integration

Die Schweiz diszipliniert ihre Migranten mit Hilfe einer Posterkampagne. Auch für deutsche Einwanderer gibt es wertvolle Tipps. NEON, August 2010

Es ist gar nicht so schwer, ein guter Schweizer zu werden. Im Grunde reicht es, statt Döner auch mal Röschti oder Fondue zu essen, das Sozialsystem nicht über Gebühr zu beanspruchen, nicht wegen jedes kleinen Schnupfens gleich in die Notaufnahme des Krankenhauses zu gehen (sondern erst einmal zum Hausarzt) und Geld für schlech te Zeiten zurückzulegen. Mit groß plakatierten Verhaltenstipps dieser Art will der Kanton Zürich Ausländern bei der Integration behilflich sein. Die Hinweise, die Zuwanderer im Umgang mit der Urbevölkerung beherzigen sollen, hängen in den Straßenbahnen, Bussen und Schulen der Region. Auf Schweizerdeutsch wird beispielsweise vom schnellen Autofahren abgeraten und für die öffentlichen Verkehrsmittel geworben: »Ras nöd wienen Hänker, meischtens bisch mit em Zug eh schnäller.« Wert gelegt wird auch auf die Tipps: »Entsorg dini Fläsche nach Farbe sortiert im Glascontainer und am Sunntig isch rueh!« »Gute Ratschläge zu Alltagsthemen erleichtern ? wenn sie befolgt werden ? das friedliche Zusammenleben aller«, begründet die Züricher Kantonsverwaltung die 150 000 Franken teure Kampagne. Einige Plakate scheinen aber eher fremdenfeindliche Klischees zu befördern. Eines zum Beispiel zeigt einen osteuropäisch aussehenden Mann im Muskelshirt, versehen mit der Aufforderung, Konflikte lieber mit Worten statt Fäusten zu lösen. Manchem Politiker scheinen die plakativen Integrationsbelehrungen indes sogar noch zu freundlich auszufallen. Die konservative Schweizerische Volkspartei findet es »geradewegs absurd «, dass die Tipps im Kleingedruckten in verschiedene ausländische Sprachen wie Arabisch oder Thai übersetzt worden sind. Auch die Schweizer FDP schimpft über eine »Kuschelkampagne«: Man müsse Immigranten zu Anstand verpflichten, statt sie nur mit bunten Bildern ganz freundlich darum zu bitten. Übrigens ist auch den Deutschen, der größten Zuwanderergruppe, ein eigenes Motiv gewidmet. Das Plakat ermahnt zu mehr Höflichkeit gegenüber den Angestammten: »Sag doch statt ?Ich krieg? dann mal!? lieber ?Bitte könnte ich vielleicht??«

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